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BIS ALLE EGAL SIND
Date of vernissage:Friday, November 22, 2019
19:00
Starting date of exhibition:Saturday, November 23, 2019
Closing date of exhibition:Sunday, November 24, 2019
Adress/venue of exhibition:www.nachtspeicher23.hamburg
info@nachtspeicher23.hamburg
The following Artists are participating:

Sara Wahl

In meinem Langzeitprojekt mit dem Titel Ghostwritersbefasse ich mich mit den Imitationen indexikalischer Spuren körperlicher Arbeit und gelebter Zeit in Mode und Design. Das darin enthaltene Moment der Aneignung und performativer Re-Inszenierung von (Arbeiter)Klasse wird durch meine Recherchen in einem historischen Rahmen kontextualisiert.
Im begleitenden Bildarchiv sammle ich Fotografien und Werbegrafiken, die diesbezügliche Zusammenhänge ab dem Beginn der industriellen Baumwollproduktion dokumentieren. Damals werden durch den Sklaven- und Baumwollhandel globale Handelsrouten etabliert und im Zuge dessen in Europa und Nordamerika Kapital akkumuliert. Während sich in der Folge diese Regionen auf die kapital- und ressourcenintensive Entwicklung von Technologien spezialisieren können, wird arbeitsintensive Massenproduktion seit der Kolonialzeit in ärmere Weltregionen ausgegliedert. Die zunehmende Distanz Jugendlicher in den Industrienationen gegenüber körperlicher Arbeit ermöglicht ab den 50er Jahren erst das modische Potential von Arbeitskleidung.

Ursprünglich für den Bergbau entwickelt, wird die Jeans damals zum Mittel der Abgrenzung und Rebellion gegen ältere Generationen. Die spezielle Eigenschaft des Jeansstoffs, bei dem einzelne Fasern nur an- und nicht durchgefärbt werden, je nach Gebrauch charakteristische Abnutzungsspuren abzubilden, erweist sich als verkaufsfördernd. Bis heute werden laut Werbung Jeans dadurch zu einem individuellen Produkt, das vom Leben/ von Aktivitäten ihrer Besitzer_innen erzählt. In Folge kommt es allgemein zur Integration von Löchern in Massenmode, ursprünglich ein Zeichen von Rebellion in Subkultur. Die Abnutzungsspurenlooks werden als worn, used, ripped, distressed und destroyed verkauft. Letztlich bleiben diese aber durch erkennbare Komposition und Details als gewollt erkennbar und heben sich so explizit von möglicher Alternativlosigkeit durch Armut oder Arbeitsmigration ab: ein exemplarisch hegemonialer Akt der Distinktion.

Meine Arbeit befasst sich insbesondere damit, dass bei bereits abgenutzt vorproduzierter Ware jedoch gerade nicht Aktivität des Tragenden abgebildet wird, sondern genaugenommen die Arbeit der Anderen, der outgesourcten Arbeiterklasse (Ghostwriters). Mit readymade-artigen Objekten, performativen Installationen und Videoarbeiten transformiere ich diese Aneignungs- und Imitationsprozesse zu Befragungen des kollektiven Unbewussten